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Zur Babyzeichensprache

Alle Eltern wünschen sich gesunde, gut gedeihende, glückliche, sozial gut eingegliederte Kinder und, wenn es dann soweit ist, eine unbeschwerte und erfolgreiche Schulzeit. Dabei ist allgemein wenigen jungen Eltern gegenwärtig, dass der ganze Schulstoff mittels Sprache vermittelt wird. Und erst recht sagt ihnen kaum jemand, dass die nötigen sprachlichen Grundlagen dafür in den ersten sechs Lebensjahren gelegt werden und die Kommunikation gleich ab der Geburt wichtig ist.

Alles zu erwerbende Wissen über uns, unsere Mitmenschen und die Welt kann nur über Symbole vermittelt werden. Die menschliche Sprache ist ein verbindliches Symbolsystem, das Kleinkinder von ihren Eltern vorgelebt bekommen und in das sie eingeführt werden. Sprache erwerben zu können setzt ein höchst kompliziertes Zusammenspiel unvorstellbar vieler Abläufe im Gehirn voraus und von Seiten der Eltern vorgelebte Freude an der Kommunikation und ein gutes Vorbild.

Die Babyzeichensprache ist im Sprachlernprozess eine sinnvolle Unterstützung und Hilfe. Indem die Eltern oder andere wichtige Bezugspersonen schon in frühen Lebensmonaten wiederholt zunächst bestimmte Personen und Gegenstände anschauen, auf sie zeigen, sie benennen und dazu ein verbindliches Handzeichen machen, erfährt das Kind das Dreieck "Ich-Bezugsperson-Objekt" und wird schon früh in die Welt der Symbole eingeführt. Ebenso lernt das kleine Kind, dass es für Handlungen (Verben) und Eigenschaften (Adjektive) bestimmte Wörter und Handzeichen gibt. Lustvoll schaut es aufmerksam auf das Handzeichen der Mutter, den Gegenstand oder die Handlung und lernt spielerisch sowohl zu verstehen als auch sich selber verständlich zu machen. Dadurch, dass jedes Handzeichen mit dem entsprechenden Wort verbunden wird, wird der Sprachenwicklung nebenbei ohne verfrühten Förderwahn der Weg geebnet. Das Kleinkind braucht die Zuwendung und das sich Beschäftigen mit ihm genau so wie die Luft zum Atmen und die Nahrung zum Wachsen, und genau da ist die Babyzeichensprache ideal.

Die Babyzeichensprache begleitet also die gesprochene Sprache, erleichtert das gegenseitige Verständnis ebenso wie den Zugang zu Symbolen allgemein (Buchstaben, Zahlen, Zeichen), ist lustvoll und fröhlich, vermittelt dem Baby das Gefühl von Zuwendung, Interesse und Liebe, öffnet dem Kind das Tor zu unserer interessanten Welt und macht es neugierig und wissensdurstig. Ganz nebenbei und spielerisch wird es vertraut gemacht mit Regeln für einen liebe- und respektvollen zwischenmenschlichen Umgang, indem es früh Zeichen und Ausdrücke für "bitte", "danke", "entschuldige" lernt.

Lernt das Kind später Lieder, Reime und Verse, verstärken Handzeichen und Körperbewegungen deren Inhalt. Das war schon zu Großelterns Zeiten sehr beliebt und macht großen Spaß, ist aber leider etwas in Vergessenheit geraten.

Die Babyzeichensprache sollte in den Vorbereitungskursen für angehende Eltern ebenbürtig zur Körperpflege, Gesundheits- und Ernährungslehre angeboten werden.

Ursula Escher-Villiger, Lic.phil. Logopädin und Heilpädagogin, Bösingen FR

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