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Ausgezeichnet mit dem Siegel "Unternehmen der Zukunft"

Zeichen

Lieblingsspiel: Schule spielen mit Babyzeichen

Bei uns zuhause wird die Zwergensprache mittlerweile nur noch selten verwendet, um miteinander zu kommunizieren. Mein Sohn ist jetzt 2.5 Jahre und redet wie ein Wasserfall. Manchmal benutzt er die Zeichen, die ganz tief in ihm verankert sind, auch jetzt noch, aber in der Regel spricht er nur noch, wenn er sich mitteilen möchte.

Meine große Tochter, die mit dem Kleinen und mir damals im Zwergensprache Eltern-Kind-Kurs die Zeichen gelernt hat, nutzt die Zeichen total gerne, um z.B. bei einem Ausflug etwas zu kommunizieren, wenn sie weiter weg von uns steht und dann aufgrund Vorpubertät keine Lust hat, kurz zu uns zu laufen.

Als mein kleiner Sohn 15 Monate alt war, hat er alle Zeichen rauf und runter benutzt und wir haben es als Familie alle sehr genossen, dass unser Alltag so leicht wurde und es so gut wie keinen Frust gab.

Aber mittlerweile haben wir uns auch alle ganz gut mit der aktuellen Kommunikationsform angefreundet. Nachdem ich so begeistert war von der Zwergensprache, hatte ich dann nach dem besuchten Eltern-Kind-Kurs selbst die Ausbildung zur Kursleitung gemacht, und mittlerweile hilft mein kleiner Sohn dann oft mit, wenn ich die Stunden vorbereite.

Neulich saßen wir am Esstisch, als er plötzlich aus dem nichts raus anfing mich abzufragen. Ich hatte es erst gar nicht richtig überrissen und dachte er möchte einfach nach einem Zeichen fragen. Aber als dann nach der Frage für die „Zebra-Gebärde“ und das Abnicken, dass ich das Zeichen richtig vorgemacht hatte, die nächsten folgten, wurde es mir erst klar.

Ich musste bestimmt 15 Zeichen zeigen und wie ein Lehrer kontrollierte er dann mit kindlicher Freude, ob es auch stimmte und machte mir das Zeichen dann manchmal vor, wenn ich ihm nicht schnell genug war. Es war wirklich süß. Somit haben wir die Zeichen jetzt doch auch wieder mehr in den Alltag zurück integriert, weil er dieses Spiel total toll findet, und wir oft am Esstisch alle zusammensitzen und er voller Begeisterung die Zeichen abfragen darf und wir anderen dann die Gebärden zeigen.

Autorin: Valerie Schmittenbecher-Schran, Zwergensprache Kursleitung in der Region Starnberg, Bayern

Lieblingszeichen "WO?" - Für was, warum, wieso?

„Wo“, war das Lieblingszeichen von meinem Sohn Samuel und ist auch ein sehr beliebtes Zeichen in meinen Zwergensprache Eltern-Kind-Kursen, da auch unser Begrüßungslied das Zeichen "WO" beinhaltet.

Prinzipiell kann man mit Kindern den ganzen Tag auf der Suchen nach etwas sein. Man kann vieeeele Sachen verstecken und sich immer wieder mit dem Handzeichen dazu fragen „WO“ es nur hin ist. Am meisten lieben die Kinder es, sich selbst oder die Mama / den Papa zu verstecken und guck-guck da zu spielen!

Hierzu eignet sich super ein Chiffontuch, da die Kinder damit immer noch sehen können, was um sie herum passiert.

So starten wir auch fröhlich in jede Babykursstunde mit dem "Wo-Lied" und dem Zwergensprache Teddybären sowie der Begrüßung aller Kinder.

Es ist immer wieder schön, von den Kurseltern dann zu hören, wie viele der Kleinen diese intuitive Gebärde "WO" schon nach wenigen Stunden daheim auch immer wieder von sich aus initiieren, nachahmen und ihre Freude daran haben!

Viel Spaß beim Ausprobieren!

 

Autorin: Sandra Fasching, Zwergensprache und Dunstan Babysprache Kursleitung in Niederösterreich, Kindergartenpädagogin, Spielgruppenleiterin, Schlafberaterin

Lieder, Spiele und Kniereiter mit Kindergebärden zur Osterzeit

Als ich dieser Tage die Osterdeko aus dem Keller geholt habe, fiel mir das Lieblings-Osterbuch meines Sohnes in die Hände, das wir vor gut 10 Jahren zu dieser Jahreszeit nicht oft genug ansehen konnten. Darin gibt es eine Osterei-Bemal-Maschine und Maschinen haben von Anfang an eine fast magische Faszination auf ihn ausgeübt.

Als ich ein wenig wehmütig im Buch blätterte, erinnerte ich mich an verschiedene Ostergedichte und -lieder, die meine Kinder so gern gespielt hatten. Es sind unsere zumeist abgewandelten Versionen von überlieferten Kinderreimen, die ich hier zusammengeschrieben habe, damit sie vielen weiteren Familien hoffentlich genauso viel Spaß machen!

 

Osterhase, komm ganz schnell,

putz dein Näschen und dein Fell.

Osterhühnchen komm dazu

putz den Schnabel nun auch du.

Denn wisst ihr, was wir gerade feiern?

Ostern - das Fest mit den vielen bunten Eiern!

(passende Zeichen: Hase, Huhn, Ei)

 

 

Geht ein kleiner Osterhas durch Blumen, Halme, hohes Gras.

Geht einen steilen Berg hinauf.

Klingelt.

Doch keiner macht die Türe auf.

Da stampf der Hase Nummer zwei

den Berg hinauf und schnauft dabei.

Klopft und ruft: „Hallo ihr Lieben! Wohin soll ich denn die Eier legen?“ Keiner öffnet.

Einerlei!

Es eilt herbei der Hase mit der Nummer Drei.

Er rüttelt an der Tür, die Hasen warten.

Vergebens.

Dann laufen sie alle schnell in den Garten.

Variante als Kniereiter: Hoppel, hoppel, hoppel, hoppel und wuiii – im Gras ausgerutscht!

(passende Zeichen: Hase, Blumen, Türe, Ei, öffnen, warten)

 

 

Und ein Osterlied mit der Melodie zur Sonnenkäferfamilie:

 

Zuerst kommt der Osterhasen-Papa

dann kommt die Osterhasen-Mama

und hinterdrein ganz klitzeklein die Osterhasen-Kinderlein (2x)

Sie haben braune Röckchen an

und weiße Stummelschwänze dran

Sie machen ihren Ostergang da draußen auf dem Feld entlang (2x)

Sie schauen nach dem Wetter aus

da wird gewiss ein Gewitter draus

erst schaut Papa, dann schaut Mama und dann die Hasen-Kinderschar (2x)

Nun woll‘n sie auf die Wiese gehen,

und sich die schönen Blumen ansehen

sie tanzen alle ringelreih zuerst allein und dann zu zweit (2x)

Nun muss das Spiel zu Ende sein,

denn müde sind die Kinderlein

sie hören jetzt zu tanzen auf und hoppeln alle schnell nach Haus (2x)

Jetzt wollen sie die Eier bemalen

mit bunten Bildern und Mustern dran

Mit Farbe schmieren sie sich voll, doch die Eier werden toll! (2x)

(Zeichen: Hase, Papa, Mama, klein, Kinder, Blumen, Ende, müde, tanzen, schnell, Haus)

 

Hier noch der Buchtipp aus dem Oetinger Verlag mit der berühmten Osterei-Bemal-Maschine, wenn Ihr auch so einen kleinen Technikfan daheim haben solltet:

Buchtipp "Die große Ostermalerei"

 

In Vorfreude auf die Karwoche und das Osterfest wünsche ich allen Nach-Spielern viel Spaß damit!

 

Autorin: Simone Kostka, Zwergensprache Kursleiterin in Wien & Länderleitung für Österreich, Mamalogin, Lerncoach für Legasthenie, Dyskalkulie, Aufmerksamkeitsdefizite, Dipl. Lerndidaktikerin, Brain-Gym Kinesiologin, Buch- und Blogautorin

Mit Liedern den Alltag vereinfachen - Bekannte Lieder einfach umdichten

Geht es dir auch oft so wie mir? Die täglichen Routinen mit deinem Kind sind manchmal sehr nervenraubend und stressig. Beim Anziehen, wickeln, essen, … oder auch Auto fahren und baden sind nicht immer toll!

Ich habe da eine Idee wie du in solche Situationen mehr Ruhe reinbringen kannst. Versuche es mal mit Singen. Lieder kennen wir genug, zu vielen Melodien fehlt uns vielleicht der richtige Text. Aber das macht nichts, denn wir dichten das Lied einfach um. Zum einen, dass es zur jeweiligen Situation passt und zum anderen, dass wir noch Babyzeichen dazu zeigen können. Hier ein Beispiel zum Anziehen:

Die Melodie von Bruder Jakob kennst du bestimmt. Nutze diese und setze die Kleidungsstücke ein, die du gerade anziehst und mache auch das entsprechende Zeichen dazu.

 

Bruder Jakob                          Erst die Jacke

Bruder Jakob                          erst die Jacke

schläfst du noch                    dann die Schuh`

schläfst du noch                    dann die Schuh`

hörst du nicht die Glocke     Mütze nicht vergessen

hörst du nicht die Glocke     Mütze nicht vergessen

ding dang dong                     fertigbist du

ding dang dong                     fertig bist du

 

Die fett gedruckten Wörter kannst du mit dem Handzeichen untermalen, dann ist die Aufmerksamkeit von deinem Kind höher, weil es neben dem Hören auch noch was zum Sehen gibt.

Probiere es aus. Es klappt bestimmt nicht immer, dass dein Kind dadurch kooperiert, aber oft verschaffst du dir damit etwas mehr Ruhe in schwierigen Situationen.

Wenn du noch mehr Inspirationen brauchst, wie man Lieder mit Zeichen ausschmückt, dann schau in unserer Babyzeichen-Zwergensprache App oder auf youtube nach und gib "Zwergensprache Lieder" ein oder noch besser: komm einfach in einen Eltern-Kind-Kurs. Dort gibt es ganz viel Babymusik mit den passenden Babygebärden!

Viel Spaß beim Ausprobieren!

 

Autorin: Simone Huber, Zwergensprache Kursleitung in Sasbachwalden, Mama von zwei Babyzeichenkindern, Baden-Württemberg

Nie zu alt für Babyzeichen

Zur Zwergensprache-Fortbildung in einer Kindertagesstätte war eine pädagogische Fachkraft dabei, die dieses Jahr bereits in Rente gehen wird. Voller Begeisterung lernte sie die Gebärden, brachte zahlreiche Ideen ein, bei welchen Gelegenheiten und wie man die Gebärden mit den Kindern nutzen könne und bereicherte die ganze Gruppe mit ihrem Engagement vor allem beim Zeigen der Gebärden für Tiere.

Und am Ende der Fortbildung sagte sie zu mir, dass sie unglaublich traurig sei, erst jetzt von den Zeichen erfahren zu haben, denn sie hätte dies schon so gern viel früher ausprobiert und eingesetzt im Kita-Alltag.

 

Autorin: Katharina Morgenstern, Zwergensprache Kursleitung in Stolpen und Raum Dresden , Dipl. Heilpädagogin, Regionalleiterin für Sachsen, Berlin und Brandenburg, Seminarleiterin für Pädagogische Fachseminare

Ostereierspiel

Ich habe vor ein paar Wochen wieder die Ostereier ausgepackt. Schon meine Kinderkrippenkinder liebten es mit den Eiern im Freispiel zu spielen. Die Eier wurden versteckt, transportiert, gesammelt und gesucht.

Eine Spielidee, bei der die Zeichen der Farben spannend war, ist dieses Muffinblech.

Ich habe in jede Vertiefung einen Farbkreis geklebt und die Kinder können die Eier der passenden Farbe zuordnen.

(Kleiner Tipp - die Kreise einfolieren)

Bei älteren Kindern kann man das Spiel auch mit einem Würfel erweitern.

Viel Spaß beim Spielen!

Zeichen:

Ei - rot - blau - orange - gelb - grün - gelb (alle Farben die ihr dem Spiel hinzufügt)

Autorin: Claudia Ronegg, Zwergensprache in Deutschlandsberg und Leibnitz,Kindergartenpädagogin, Elementarpädagogin,Piklerpädagogin i.A.

Pick, pick, pick – die Hühnerschar

Eine Mama aus meinem Zwergensprache-Kurs schrieb mir begeistert, dass bei ihrem Kind nun der „Knoten“ für die Zeichen mehr und mehr platzt.

Die Eltern waren gemeinsam mit ihrem Kind zu Besuch bei Verwandten auf dem Land. Dort zogen vor allem die Hühner in den Bann und die Eltern zeigten daher oft die Gebärde für „Hühner“.

Wieder zu Hause kam die Oma zu Besuch und schaute mit ihrem Enkel ein Buch an und da waren die Hühner – mit Begeisterung zeigte nun das Enkelkind der Oma das Babyzeichen „Huhn“ - immer und immer wieder.

 

Autorin: Marie-Theres Opitz, Zwergensprache Kursleitung in Leipzig und Gera, Rehabilitationspsychologin

Schau mal, so macht man das Zeichen für den Hirsch

Lena zeigt ihrer Puppe mit ca. 1,5 Jahren, wie das Babyzeichen für „Hirsch“ geht.

Durch die Babyzeichen geben wir unseren Kindern schon früh die Möglichkeit, einen aktiven Teil in der Kommunikation zu übernehmen. Sie teilen dann viel leichter und früher ihre Gedanken mit uns (oder ihrer Puppe 😉) und selbst das Anschauen und Vorlesen von Büchern wird mit Gebärden viel interaktiver und spannender.

Willst Du auch diesen Kontakt auf Augenhöhe mit Deinem Kind? Dann komm in unsere Zwergensprache-Kurse, die jetzt im Herbst wieder an über 200 Orten oder Online starten.

Wir freuen uns auf Dich und wünschen Dir ebenfalls viele wunderbare Momente, die die Babygebärden in Zukunft dann auch Dir und Deinem Kind bescheren mögen!

 

Autorinnen: Sandra Berger und Patricia Geiger, Zwergensprache und Dunstan Babysprache Kursleitungen in und um Bern und Basel, Schweiz

So kannst du dir als Mama Dinge besser merken!

Immer wieder schiebe ich meine Vergesslichkeit auf meine ewig anhaltende Stilldemenz. Aber so cool! Ich habe nun einen Trick, wie ich meine 10 Jährige Tochter beim Memory Spiel wieder überlegen sein kann. Endlich gewinne ich auch mal wieder.

Und wie geht das jetzt?! Natürlich mit Babyzeichensprache!

Wenn du beim Memory Spiel die Karten aufdeckst, SIEHST du dir den Gegenstand darauf genau an, SAGST laut was für einen Gegenstand du vor dir hast und ZEIGST das Zeichen dazu. Somit hast du mehrere Kanäle in deinem Gehirn aktiviert, also mehrere Türchen aufgemacht und die Erinnerung jeweils dort abgelegt und gespeichert. Es sind die Türchen, die auditive, visuelle und motorische Reize hineinlassen. Und genau diese Türchen helfen dir nachher, dich besser zu erinnern. Denn du hast jetzt 3 Türchen zum Aufmachen, hinter denen du nach der Lösung schauen kannst und nicht nur eine Tür!

Und so kannst du dir auch viele andere Dinge besser merken.

Meine Tochter kam natürlich dahinter und verbietet mir Zeichen während des Memory Spiels zu nutzen. Sie hat also meine List enttarnt. Wenn sie nun in der Schule etwas auswendig lernen muss, verwendet sie gerne den gleichen Trick. Ich helfe ihr dabei und wir finden passende Zeichen, malen auch Bilder zum Text und sprechen oder singen den Text laut vor. Ich bin immer wieder fasziniert wie schnell „Gelerntes“ abzurufen ist und mit diesem einfachen Trick funktioniert!

Viel Spaß beim Ausprobieren!

 

Autorin: Carolin Schiel, Zwergensprache Kursleitung Baden-Baden, Mama von drei Kindern, 10 & 3 Jahre und Säugling 3 Monate alt, alles Babyzeichenkinder, Regionalleiterin für Baden-Württemberg, Dunstan Babysprache Kursleitung, artgerecht Coach

Sprachen eröffnen Wege zu anderen Welten, Kulturen und Menschen

In einer Welt, die sich ständig weiterentwickelt und nach Inklusion strebt, spielen Sprachen eine zentrale Rolle. Insbesondere die Gebärdensprache und gebärdenbegleitete Kommunikation als eine wichtige Kommunikationsform für gehörlose und hörbeeinträchtigte Menschen, rückt zunehmend in den Fokus, was wir sehr begrüßen und unterstützen. 

In den Seminaren und Kursen der Zwergensprache werden einzelne Begriffe aus der Gebärdensprache für größtenteils hörende Kinder und ihre Eltern vermittelt. In der Zeit, bis die Kinder sprechen, eröffnen ihnen diese Gesten und einzelne Handzeichen für Substantive, Verben und Adjektive eine aktive und altersentsprechende Kommunikationsmöglichkeit in ganz vielen Alltagssituationen. 

Dabei nutzen die Bezugspersonen die Gebärden parallel zur Lautsprache und spezifisch für wichtige Schlüsselworte im Satz, um diese visuell hervorzuheben und durch die Bildhaftigkeit der Bewegung leichter für Kinder verständlich zu machen.

Könnte man es nun als Anmaßung betrachten, sich die Gebärdensprache für solche Zwecke „anzueignen“? Das werden wir manchmal gefragt. Wir vermitteln jedoch keine vollständige Sprache, sondern eine Möglichkeit durch einfache, bildhafte Gesten das Gesprochene zu visualisieren.

„Das wäre nicht beabsichtigt und sogar das Gegenteil ist der Fall“, betont auch die Gründerin der Zwergensprache Vivian König. Wir wünschen uns, Brücken zu bauen, um jedem Kind nach seinen individuellen Stärken eine aktive Teilhabe an der Kommunikation zu ermöglichen und gleichzeitig mehr Wissen und Zugang zur Gebärdensprache in die Welt zu tragen. Die positiven Erlebnisse, die Eltern mit ihren Kindern über die ersten Gebärden haben, wecken auch ihre Neugier auf die Kultur und Besonderheiten dieser Sprachform und auf die Gehörlosengemeinschaft.  

Zeichen, Gesten oder Gebärden als nonverbale Merkmale sind ein Teil jeder Sprache, denn Zeichen sind unser aller Wurzeln.

Sprachen sind zudem für alle da – egal ob Englisch, Spanisch oder eben Gebärdensprache. Nur durch gegenseitige Verständigung wächst auch das Verständnis füreinander und das wertschätzende Miteinander. Hier haben wir in unseren Ländern jedoch noch deutlichen Nachholbedarf – in den Köpfen als auch im Tun!

Das Konzept der Babygebärden existiert im englischen Sprachraum bereits seit Ende der 80er Jahre. Mittlerweile ist es dort sowohl im pädagogischen als auch klinischen Bereich als normal anzusehen.

Bei uns wurde die Zwergensprache als Kursnetzwerk für Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen vor ca. 20 Jahren etabliert und von Anfang an bewusst in Kooperation u.a. mit dem Gebärdenfachverlag von Karin Kestner publiziert, die für ihre wertvolle und unermüdliche Arbeit zur Anerkennung der Gebärdensprache und der Rechte gehörloser Menschen mit dem Bundesverdienstkreuz für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. 

Die einzelnen mit den Babys und Kleinkindern im vorsprachlichen Alter verwendeten Handgesten stammen grösstenteils aus der offiziellen Deutschen Gebärdensprache, kurz: DGS. In Österreich auch ÖGS oder in der Schweiz DSGS. Unsere Kurse besuchen fast ausschließlich hörende Familien mit hörenden Kindern in den ersten zwei Lebensjahren. Daher nutzen wir vor allem Einzelgebärden zur Visualisierung von Worten und für das Lernen auf vielen Sinneskanälen.

Wir gebärden mit den Kleinsten jedoch in der Regel keine kompletten Sätze, wie gehörlose Eltern es mit ihren Kindern selbstverständlich tun, sondern vermitteln mit Bezug auf die Unterstützung der Kommunikationsmöglichkeiten entsprechend babyrelevante Gebärden – diese jedoch ohne Gebärdensprachgrammatik, sondern im Kontext der Grammatik der gesprochenen Familiensprache(n).

Kritik und Sorgen entsteht oft aus Unwissenheit. So bekommen Babygebärdenanbieter manchmal vorgeworfen, die Gebärdensprache zu nutzen, um einseitig Profit daraus zu schlagen. Profitieren können nach unseren Erfahrungen davon alle, die sich darauf einlassen – in erster Linie die Kinder, die sich dadurch besser verstanden fühlen und mit Freude aktiv in die Kommunikation hineinwachsen. Dann alle Erwachsenen, die etwas Neues lernen und über den kulturellen Tellerrand schauen.

Die Verbreitung des Konzeptes bieten vielerlei Chancen ins Gespräch zu kommen, Aufklärung zu betreiben und eine Sensibilisierung in Bezug auf Gebärdensprache voranzubringen. Manche unserer Kolleg:Innen im Team arbeiten als Dolmetscher:Innen oder geben erste DGS Kurse mittlerweile sogar als Wahlfach an Schulen. Andere haben hörgeschädigte Kinder oder Verwandte.  Manchen von uns, die im sozialen, klinischen oder pädagogischen Bereich arbeiten, helfen die Gebärden, sich mit Kindern aus anderen Sprachwelten besser zu verständigen und diese mit ihren Bedürfnissen achtsamer begleiten zu können.

Die Verwendung von Gebärden wie in der Zwergensprache schlägt eine Brücke zur Gehörlosen-Community und die generelle Sichtbarkeit der Gebärdensprache in der Gesellschaft wird somit deutlich erhöht. Die offene und respektvolle Auseinandersetzung und ein wertschätzender Zugang zum Thema sind notwendig, um historische Vorurteile abzubauen und eine inklusive Gesellschaft zu schaffen und nach diesen Werten das Miteinander zu leben. 

Die Gebärdensprache hat das große Potential, Inklusion insbesondere in Kitas und Schulen zu fördern und Barrieren abzubauen. Sprachen eröffnen Wege zu anderen Welten, Kulturen und Menschen - sie sind Brückenbauer.

Wir freuen uns im Zwergensprache-Netzwerk darüber, in vielen kleinen Schritten an vielen verschiedenen Orten in D, AT und CH auf diesem Weg immer wieder etwas beitragen zu dürfen. 

Besonders schön ist es, wenn hörende Eltern mit hörbeeinträchtigten Kindern über unsere spielerischen Zwergensprache Eltern-Kind-Gruppen mit einem ersten „Light-Einstieg“ in diese Gebärdenwelt hineinschnuppern können, um diesen Weg für ihr Kind dann über Jahre zu vertiefen – am besten mit einem Hausgebärdenlehrer aus der Gehörslosengemeinschaft. Genauso berührend, wenn Kinder mit Down-Syndrom oder Entwicklungsverzögerung dank der Gebärden in den Selbstausdruck finden und sich gesehen und verstanden fühlen.

Mittlerweile vertiefen auch in Zwergensprache geschulte Kitas ihren Gebärdenwortschatz und Kenntnisse über die Grammatik über weitere DGS-Kurse in ihrer Region, so dass es sogar schon Einrichtungen gibt, in die gehörlose Familien bewusst ihre Kinder geben, weil sie sich dort besonders willkommen und respektiert fühlen. Möge dies in Zukunft überall für sie der Fall sein!

Es ist für uns berührend und erfüllend zu sehen, dass unsere Schulungen dazu den Anstoß geben und sich langfristig etwas verändern kann. Nach 20 Jahren Pionierarbeit merken wir nun einen deutlichen Wandel in der Offenheit der Gesellschaft für dieses Thema.

Sowohl im Kollegium der Kursleitungen als auch unter den Familien, die wir in den Kursen begleiten und bei den geschulten Fachpersonen ist das Interesse merklich groß, nicht nur Gebärden zu lernen und im Alltag zu integrieren, sondern auch mehr zu dieser faszinierenden Sprache und zum Leben von hörbeeinträchtigten und gehörlosen Menschen zu erfahren.

Und hier setzen wir in jedem Kurs durch unsere eigene Haltung an: einen freudvollen Zugang zu vermitteln, sich mit Gebärden auseinanderzusetzen und einen vorurteilsfreien Einblick in die Welt der Gehörlosigkeit und die Kultur erleben zu dürfen.

 

Autorinnen:

Katharina Schütze, Ergotherapeutin B.Sc., Kursleiterin für Zwergensprache, Dunstan Babysprache und Babymassage in Osnabrück, Regionalleiterin für Niedersachsen und Norddeutschland

Vivian König, Gründerin und Geschäftsführerin der Zwergensprache GmbH, Ausbilderin für Babyzeichensprache und Dunstan Babysprache, Autorin, Leipzig

Patricia Geiger, Gebärdensprachdolmetscherin, Kommunikationsassistentin, Zwergensprache und Dunstan Babysprache Kursleiterin in der Region Basel,Länderleitung für die Schweiz

Verblüffendes erleben mit Babyzeichen

Jonathan war 13 Monate alt, lag auf dem Wickeltisch und zeigte das Babyzeichen für „baden“. Ich sagte ihm, dass er jetzt gleich baden dürfe, doch Jonathan schüttelte den Kopf. Dann zeigte er jedoch erneut das Zeichen „baden“ und noch dazu die Gebärden „Musik“ und „noch mehr“. Ich fragte erstaunt: „Möchtest du das Badelied noch einmal hören?“ Welch ein Strahlen, als ich es ihm vorsang!!! - Das Lied hatte er mit gehört, als wir es im Tonstudio aufnahmen :-).

Autorin: Katharina Morgenstern, Zwergensprache in Stolpen und Löbau

Vom Zweifeln zum Staunen - mein Start als Kursleiterin

Seit November darf ich mich ganz offiziell *Zwergensprache-Kursleiterin* nennen – und ich sag’s euch: Das ist spannender als jede Karusellfahrt im Freizeitpark (und ich mag eigentlich keine Karusells).

Als Erzieherin arbeite ich schon lange mit Kindern mit Behinderung. 

Dabei kamen auch immer wieder Gebärden zum Einsatz. Ein paar Zeichen kannte ich – "Essen", "mehr", "fertig" – aber richtig intensiv habe ich mich nie mit der Welt der Babyzeichen beschäftigt.

Während meiner Elternzeit habe ich mich dann ins Abenteuer Weiterbildung gestürzt – unter anderem zur Zwergensprache-Kursleiterin, damit ich auch mit meinemsä Sohn gleich üben kann. Und dann war er plötzlich da: Mein erster eigener Kurs im März. Ich war aufgeregt wie vor dem ersten Schultag.

**Was, wenn die Babys mich doof finden? Wenn ich den Eltern die Zeichen nicht gut erklären kann? Wenn keiner „trinkt", „isst“ oder überhaupt zuhört?**

Spoiler: Es lief ganz anders – und zwar richtig gut!

Nach drei Monaten kann ich stolz sagen: Ich verbuche meine ersten kleinen, großen Erfolge. Drei meiner Mini-Kursteilnehmerinnen (die übrigens nicht nur zuckersüß, sondern auch ziemlich clever sind), zeigten in der sechsten und siebten Kursstunde ganz plötzlich ihre ersten Zeichen – und das, obwohl sie zuhause noch keines gezeigt hatten!

Ich? Ich war kurz davor, Luftsprünge zu machen. Die Mamas? 

Überglücklich! Alle anderen? Noch motivierter weiterzumachen Und ich bin einfach nur dankbar, dass ich diese besonderen Momente miterleben darf.

Heute kann ich mit voller Überzeugung auf die Frage- ob so ein Kurs sinnvoll ist- sagen: Auf jeden Fall!

Ich freue mich auf viele weitere kleine Sprachwunder mit ganz viel Herz. 💕

 

Autorin: Michaela Keil- Zwergensprache-Kursleiterin in München, Mama von zwei Kindern und ausgebildeter BBC-Elterncoach. Mit viel Herz begleitet sie Familien rund um die Themen Zwergensprache, Babyschlaf, Beikost und Stressmanagement – praxisnah, einfühlsam und alltagsorientiert.

Warum es sich lohnt, Babyzeichen überall zu machen

Viele Eltern machen Babyzeichen hauptsächlich zuhause. Vielleicht weil sie sich komisch vorkommen, draußen mit den Händen «rumzufuchteln». Abgesehen davon, dass ich bisher immer nur im positiven darauf angesprochen wurde (es haben sich sogar schon Freundschaften deswegen ergeben), hat das Zeichen zeigen unterwegs gleich mehrere Vorteile:

- Zuhause kennt sich dein Kind schon aus, da ist es nicht ganz so spannend. Aber draußen, da ist die große weite Welt. Zeigst du hier Babygebärden, ist dein Kind mit viel mehr Aufmerksamkeit, Freude und Wissbegierde dabei und greift so die Zeichen auch viel eher auf.

- Du wirst entschleunigt: statt an das noch zu kochende Abendessen oder die Arbeit zu denken, bist du im Hier und Jetzt. Du betrachtest die Welt aus den Augen deines Kindes, nimmst wahr was um dich ist, spürst, riechst, fühlst, siehst viel intensiver > Babyzeichen führen zu Achtsamkeit.

- Zeigst du deinem Kind, was du siehst, wird dein Kind auch sehr bald anfangen, aktiv mit dir zu kommunizieren und dir mitzuteilen, was es sieht und fasziniert.

- Draußen gibt es einfach so viel mehr Möglichkeiten, verschiedenste Handzeichen in unterschiedlichsten Situationen zu zeigen. Ich habe mich über eine Strecke von 120 Metern darauf geachtet, welche Zeichen der Zwergensprache ich mache. Schaut, was dabei rausgekommen ist:

*120 Meter in der Winterthurer Altstadt*

Von der Marktgasse bis zur Ludothek sind es gerade mal 120 Meter. Und doch gibt es auf dieser Strecke sooo viel zu entdecken, bestaunen und mit Babyzeichen zu benennen.

In der Marktgasse wurde gerade die Weihnachtsbeleuchtung (LICHT) aufgehängt. In der Mitte hing jeweils ein großer STERN.

Abbiegen Richtung Spielzeuggeschäft: Im Schaufenster eines Geschäfts sitzt ein TEDDY.

Es REGNET, mein Sohn läuft in der Mitte der Straße, wo es eine Vertiefung hat, da sammelt sich das WASSER Sehr spannend, da drin herum zu HÜPFEN.

Vor dem Spielzeugladen hängen und stehen verschiedene Spielsachen zum SPIELEN. Im Schaufenster sehen wir AUTOS und einen ZUG.

Auf dem Platz hat es BÄUME. Und da landen direkt zwei Tauben (VOGEL) vor unseren Füssen. Eine pickt herum, sie hat wohl HUNGER, ist am ESSEN suchen.

Und wieder WASSER: Ich streiche über den nassen Tisch, der draußen vor dem einem Bistro steht. WASSER rinnt über die Kante. Mein Sohn schaut fasziniert zu, zeigt NOCHMAL. Also nochmal...

Wir kommen bei der Ludothek an. Ein BAGGER im Schaufenster, mein Sohn macht keinen Schritt weiter. Oje, das kann dauern :-D

Autorin: Robyn Giulia Knab, Zwergensprache in Winterthur und Zürich, Kommunikationsfachfrau

Wenn Worte nicht reichen – wie mir Babyzeichen nach der OP halfen

Ein sehr persönlicher Erfahrungsbericht über Schmerzen, Sprachlosigkeit, Herkunft, Kultur – und das stille Glück, verstanden zu werden.

Anfang Juni hatte ich eine Operation. Was man mir vorher sagte: „Nach dem Aufwachen gibt’s Eis."

Was wirklich war: Ich war ein Häufchen Elend. Ich konnte meine Augen nicht öffnen. Ich konnte nicht sprechen. Ich konnte nichts trinken. Alles drehte sich. Ich musste mich ständig übergeben. Mein Hals war durch die Beatmung wund – kein Ton kam über meine Lippen. Und doch: Ich habe kommuniziert. Mit meinen Händen. Mit Gebärden.

Reden unmöglich. Gebärden mein Rettungsanker.

Die Schwestern taten ihr Bestes, um es mir erträglicher zu machen. Aber ich konnte nicht sprechen – die Kraft war weg, die Stimme sowieso.

Was blieb, waren Zeichen:

  • Daumen hoch – es geht einigermaßen
  • Daumen runter – mir ist schlecht
  • Gebärde für Trinken – ich möchte Wasser trinken
  • Gebärde für „Danke“ – still, aber ehrlich
  • Warten-Zeichen – gib mir einen Moment
  • ich möchte nichts- abgewunken

Ich bin mir sicher: Keine der Schwestern kannte offizielle Gebärden. Aber weißt du was?

Es hat funktioniert.Die Körpersprache, der Blick, das gemeinsame Wollen – alles floss zusammen. Wir haben uns verstanden. Und es war schön.

Wenn Sprache nicht reicht – und Respekt allein nicht genügt.

Während ich mich mit einfachen Zeichen verständlich machen konnte, erlebte ich bei meiner Bettnachbarin, wie schwierig Kommunikation ohne gemeinsame Sprache sein kann.

Meine Bettnachbarin – eine sehr stille und freundliche Frau aus Pakistan – sprach kaum Deutsch. Und plötzlich wurde aus einem einfachen „Was möchten Sie trinken?“ ein echtes Missverständnis. Man versuchte alles aufzuzählen: Tee? Kaffee? Apfelsaft? Milch? Bei „Milch“ nickte sie. Aber sie hat es nie getrunken. Ich glaube, sie wollte einfach gefallen – sie kannte vermutlich nur das Wort. Mit ein paar einfachen Gebärden hätte sie vielleicht wirklich verstanden, was zur Auswahl steht – und sich das ausgesucht, was sie wirklich gerne gehabt hätte.

Dann kam die unvermeidliche Krankenhaus-Frage: „Waren Sie auf Toilette?“Sie verstand nicht. Die Ärztin versuchte geduldig, sich verständlich zu machen – sie sprach langsamer, deutlicher, suchte nach Worten. Schließlich fragte sie: „Waren Sie kacka machen?“ – nicht, um die Patientin herabzuwürdigen, sondern weil sie keine andere Möglichkeit mehr sah. Sie wollte helfen, wissen, ob Schmerzen da sind – aber auch sie war in der Kommunikation hilflos. Ich empfand es als traurig. Nicht wegen der Ärztin – sie tat ihr Bestes – sondern weil wir als Gesellschaft noch so wenige Alternativen kennen, um sprachliche Barrieren würdevoll zu überbrücken.

Die Gebärden für „Toilette“ oder „Pipi“ sind so einfach. Warum nutzt man sie nicht – zusammen mit Bildkarten? Gerade in Momenten, in denen sich Menschen sowieso hilflos und verletzlich fühlen?

Diese Szene hat mich noch lange beschäftigt. Denn sie zeigt, wie schnell selbst Fachpersonal an Grenzen kommt, wenn Sprache fehlt. Es geht hier nicht um Schuld – sondern um Strukturen. Um fehlende Hilfsmittel, fehlende Schulung und fehlende Alternativen.

Wir brauchen mehr Werkzeuge für nonverbale Kommunikation, auch im Gesundheitswesen.Für mehr Würde. Für mehr Sicherheit. Für mehr Menschlichkeit.

😄 Ein Moment zum Schmunzeln:

Es gab auch lustige Augenblicke. Die Ärztin sprach mit mir über die Entlassung.

Ich sagte: „ Ich muss zu meinem Mann heim.“Später kam der Mann meiner Bettnachbarin zu mir:

„Ahhh, du bist aus Mannheim?“Ich fand das so witzig. Ich erklärte und zeigte mit Gesten auf meinen Ehering – das „internationale“ Zeichen für „Ehe(Mann)“. Dann das Zeichen für „Zuhause / Heim“. Er verstand. Wir lachten herzlich.

❤️ Fazit:

Gebärden sind keine Sprache nur für Menschen mit besonderen Bedürfnissen.

Sie sind eine Sprache für uns alle:

Für Menschen, die gerade nicht sprechen können.

Für Menschen, die eine neue Sprache lernen.

Für Kinder, die noch keine Worte haben.

Für alle, die gesehen und verstanden werden möchten.

Gebärden sind Brücken.Und Brücken braucht diese Welt mehr denn je!

Mein persönlicher Hinweis:Alle Zeichen, die ich verwendet habe, stammen aus meinem Alltag mit Babyzeichen aus der Zwergensprache. Sie haben mir in dieser Extremsituation geholfen, weil sie einfach sind, klar sind, und weil man sie auch dann verstehen kann, wenn man sie nicht gelernt hat.

Sprache beginnt nicht im Kopf. Sprache beginnt im Herzen. Und manchmal in der Hand.

 

Autorin: Annett Stentz, Zwergensprache-Kursleiterin in Rohrbach/Pfalz, Kindertagespflegeperson – und am Nachmittag liebevoll „Oma mit den Zeichen“. Inspiriert von ihrer zwergensprachebegeisterten Enkeltochter, die regelmäßig fragt: „Oma, wie heißt das auf Zwergensprache?“

Wie Babyzeichen auch den Alltag von wenige Monate alten Babys bereichern

«Wie lange dauert es wohl, bis mein Baby das erste Zeichen macht?»
Auch ich war zu Beginn ungeduldig und fragte mich dies öfters, als ich mit meinem erst drei Monate alten Jungen mit der Zwergensprache begann – wissend, dass es bei einem so jungen Baby noch einige Monate dauern würde. Dass die Babyzeichen unseren Alltag enorm bereichern würden, und zwar schon lange bevor mein Sohn sein erstes Zeichen zeigen konnte, damit hätte ich nicht gerechnet.

Doch zuerst einen kleinen Ausflug in die Theorie: Sprache ist für unsere Babys erst mal noch etwas Abstraktes. Kleine Kinder müssen die Bedeutung der einzelnen Worte kennen lernen, sie verstehen uns nicht automatisch von Anfang an. Mittels Babyzeichen begleiten wir die Schlüsselworte visuell. Durch die Kombination aus visuellem Reiz und Sprachreiz werden sowohl die rechte als auch die linke Hirnhälfte stimuliert. Außerdem sprechen wir die Worte, welche wir durch Babyzeichen begleiten, automatisch langsamer und deutlicher aus. Dies alles hilft den Kleinen enorm, die Bedeutung der Worte schneller zu verstehen.

So reagierte mein Sohn bereits im Alter von drei Monaten eindeutig mit einem Lächeln oder freudig rudernden Arme, wenn ich ihn fragte, ob er noch MILCH wolle. Hatte er keinen Hunger, so quittierte er mein Milchzeichen mit Teilnahmslosigkeit oder indem er sich etwas anderem zuwandte.

Das morgendliche Waschen des Gesichts war ihm ein Grauen. Laut protestierend warf den Kopf hin und her, sobald ihm der Waschlappen zu nahekam. Also fing ich an, ihm das Waschen nicht nur verbal anzukündigen, sondern auch das Babyzeichen dazu zu zeigen. Bereits am vierten Morgen hatte er genau verstanden, was jetzt gleich passieren würde. Er konnte sich vorbereiten und wurde nicht vom nassen Waschlappen überrascht. Ich staunte nicht schlecht, als er nach dem Babyzeichen GESICHT WASCHEN die Augen schloss, den Mund spitze und das Köpfchen ganz ruhig hielt. Ich konnte ihm rasch das Gesicht waschen und er erduldete es ohne Gejammer oder Gezappel.

Es gibt viele ähnliche Beispiele wie oben beschriebenes. Das Mütze anziehen funktioniert seit Ankündigung mittels Zeichen ebenso ohne Protest, wie das Windel wechseln (meistens zumindest). Auch wenn mein Kleiner am Boden spielt und das Essen bereit ist, so strahlt er übers ganze Gesicht, wenn ich ESSEN zeige, und ihn erst dann hochnehme. Er weiß, dass jetzt etwas Tolles passiert und wird nicht einfach aus seinem Tun herausgerissen.
Ihr seht, worauf ich hinaus möchte. Die Zwergensprache bereichert unseren Alltag – und zwar bereits lange bevor unsere Kleine die Zeichen selbst machen können.

Autorin: Robyn Knab, Zwergensprache in Winterthur und Zürich, Kommunikationsfachfrau, Dunstan Babysprache Kursleiterin

Zeichen auch mit Säuglingen?

Kann ich schon Zeichen einem Säugling zeigen? Das ist eine häufige Frage, die mich Eltern in der Schwangerschaft fragen.

Ich finde – JA! Auch mit einem Neugeborenem auf Augenhöhe kommunizieren.

Ich mache bereits eine weitere persönliche Erfahrung mit Zeichen ab der Neugeborenen-Zeit. Mein 2. Sohn wurde gerade 3 Monate alt und bekommt bereits Babyzeichen ab Geburt gezeigt.

Diese sind: Milch/stillen, schlafen/müde, Pipi, Töpfchen, wickeln/Windel, singen/Musik und Mama

Seit einigen Tagen merke ich nun wie mein Sohn die Zeichen registriert und wahrnimmt. Das sehe ich anhand seiner Augen - er hält Blickkontakt zu mir, ich rede mit ihm und zeige das Zeichen. Dann sieht er kurz auf meine Handbewegung und ist wieder mit mir in Blickkontakt. Oft gibt er danach sogar eine Reaktion von Lauten oder Bewegung zurück. Total spannend und schön! Das zeigt mir – wir beide sind in Kommunikation. Ich sehe ihn und wir „reden“ darüber was als nächstes passiert.

Und das sind alles Dinge, die dauernd passieren. Ständig wickeln bzw. abhalten, stillen, schlafen etc. Also kann man hier wunderbar die ersten Zeichen einfließen lassen und in „Übung“ kommen bzw. die eigene Aufmerksamkeit schulen. Denn bald werden es noch mehr Zeichen und das ein oder andere kommt vom Baby bestimmt bald zurück.

Wenn auch du Zeichen zeigen magst, dann merke dir: Dein Säugling wird die Zeichen nicht sofort zurück zeigen. Nur, wenn du dran bleibst und es deinem Kind immer wieder im Alltag anbietest, wird dein Kind, wenn es motorisch soweit ist, die Zeichen zurück zeigen. 

Wie kommst du nun an die Zeichen, wenn du noch nicht in einem Kurs warst? Einen Eltern-Kind-Kurs besucht man i.d.R. erst ab einem Alter von 6 Monaten. Wenn du schon vorher mit Zeichen starten willst, dann besuche einen Workshop oder hole dir die Fachliteratur von Vivian König oder lade dir die Zwergensprache App herunter. Hier hast du Inspiration genug.

Und merke dir, viel brauchst du am Anfang gar nicht. Eine Handvoll Zeichen ist vollkommen ausreichend. Sobald dein Kind alt genug ist, besuche auf jeden Fall einen Zwergensprache Kurs in deiner Nähe. Denn dein Kind will schon bald viel mehr Zeichen, um sich mitzuteilen und die Welt zu entdecken.

Viel Spaß dabei wünscht Dir Deine Carolin.

 

Autorin: Carolin Schiel, Zwergensprache Kursleitung Baden-Baden, Mama von drei Kindern, 10 & 3 Jahre und Säugling 3 Monate alt, alles Babyzeichenkinder, Regionalleiterin für Baden-Württemberg, Dunstan Babysprache Kursleitung, artgerecht Coach

Zwergensprache auf der Straße entdeckt

Ich fuhr unter Zeitdruck in Dresden durch die Straßen... Feierabendverkehr.... jede Ampel rot... in mir kochte es!

Eine rote Ampel holte mich plötzlich wieder zurück auf den Boden und zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht :)
Ich beobachtete eine Radfahrerin mit ihrem kleinen Sohn auf dem Kindersitz - sie erklärte ihm gerade etwas. Als ihre Ampel grün wurde, fuhr sie los. In dem Augenblick, in dem sie losfuhr, wollte der kleine Mann wahrscheinlich noch etwas los werden - er zeigte das Zeichen für Sonne und schaute in den Himmel. Ich schaute auch hoch und sah, dass am Himmel die Sonne noch hinter den Wolken war, aber jeden Moment herauskommen wollte.

In diesem Augenblick war es mir plötzlich völlig egal, wie der Verkehr war...Ich fuhr wieder ruhig und fröhlich weiter. Es ist so toll, wenn man der Zwergensprache endlich auch auf der Straße ganz unverhofft begegnet und auch die Welt der anderen Kinder erleben darf :-).

Autorin: Sara Borrmann, Zwergensprache in Bautzen, Bischofswerda und Kamenz, AOK Plus Partnerin

Zwergensprache-Bingo – Spielerisch lernen mit Belohnungseffekt

Bingo im Babyzeichen-Kurs? Na klar – das bringt Schwung in die Stunde, sorgt für gute Laune und ganz nebenbei werden Zeichen wiederholt und gefestigt.

Die Eltern sind mit Begeisterung dabei, die Babys mittendrin – und es wird gezeigt, gelacht und gelernt.

Auf jeder Kachel des Bingo-Feldes steht ein wichtiges Alltagswort – zum Beispiel Milch, Papa, anziehen, wickeln, nochmal oder fertig. Wörter, die im Familienalltag ständig vorkommen. Durch das Spiel werden die passenden Gebärden automatisch mitgeübt – ganz nebenbei, durch Wiederholung. Und genau das hilft, die Zeichen im Kopf (und in den Händen) zu verankern.

Ich nutze das Bingo ganz bewusst zur Wiederholung: Ich zeige ein Zeichen – die Eltern rufen das passende Wort. Wer das Wort auf seinem Feld hat, kreuzt es ab. Und wenn jemand fünf in einer Reihe hat, heißt es laut: „Bingo!“ Ein kleiner Preis wartet natürlich auch. Das macht Spaß, bringt Abwechslung – und sorgt oft für viel Gelächter.

Gleich zur ersten Kursstunde bekommen alle Eltern ein Kühlschrank-Bingo mit den Zeichen aus der ersten Stunde mit nach Hause. Gerade am Anfang sind Babyzeichen ja noch nicht so im Alltag angekommen – viele Eltern fragen sich: Wann genau soll ich das Zeichen jetzt zeigen?

Das Bingo ist da ein liebevoller Reminder. Es hängt gut sichtbar – zum Beispiel am Kühlschrank – und lädt dazu ein, die neuen Zeichen spielerisch auszuprobieren: beim Wickeln, Essen, Anziehen oder Spielen.

Wer Lust hat, füllt das Bingo über die Woche aus – ganz ohne Druck. Und natürlich wartet auch hier am Ende eine kleine Überraschung auf alle, die mitgemacht haben!

Und hier kommt der Zauber dahinter:
Wer dranbleibt, merkt nicht nur, wie es leichter wird – sondern wird auch belohnt. Das Bingo macht Fortschritt sichtbar. Und das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben, stärkt das Selbstvertrauen. Positive Verstärkung, wie man in der Lernforschung sagt – aber wir nennen es einfach: „Ich hab was geschafft!“ Und das tut richtig gut.

Das Schönste daran?
Die Eltern erleben echte Aha-Momente, haben Freude am Spiel – und sind motiviert, im Alltag weiter zu zeigen. Sie spüren, wie gut Babyzeichen funktionieren, wie viel ihr Kind bereits versteht und wie wertvoll diese Form der frühen Kommunikation ist. Ein kleines Spiel – mit großem Effekt.

 

Autorin: Annett Stentz, Zwergensprache-Kursleiterin in Rohrbach/Pfalz, Kindertagespflegeperson – und am Nachmittag liebevoll „Oma mit den Zeichen“. Inspiriert von ihrer zwergensprachebegeisterten Enkeltochter, die regelmäßig fragt: „Oma, wie heißt das auf Zwergensprache?“, Rheinland-Pfalz

Zwergensprache-Kinder und ihre Großeltern

Wir haben drei Kinder, die mit Babyzeichen aufgewachsen sind: Begonnen hat die Liebesgeschichte mit der Zwergensprache im Jahr 2015, als ich mit unserer damals 8 Monate alten Tochter – eigentlich nur, um in der Elternzeit „noch ein bisschen was zu tun zu haben“ - im Zwergensprache Kurs bei meiner heutigen Kollegin Anja saß. Schnell hatte unsere Tochter die Zeichen verinnerlicht, umgesetzt und uns alle in Staunen versetzt. Die Reaktion ihrer Großeltern war zunächst verhalten: „Was Du alles mit dem Kind machst, wir hatten das auch nicht und ihr seid trotzdem groß geworden!“ Eine Reaktion, die viele jungen Eltern von der älteren Generation hören. Als unsere Tochter dann aber die ersten Zeichen bei Wochenendbesuchen bei den Großeltern zeigte, konnten sie die Vorteile nicht von der Hand weisen: „Und jetzt zeigt sie, dass sie trinken möchte? Ach, das ist ja prima!“ Mit einem Jahr konnte unsere Tochter so viele Zeichen zeigen, dass sie sich ohne Probleme ausdrücken konnte. „Und wenn Sie dann später anfängt zu sprechen?“ war kurze Zeit die Sorge der Großeltern, die aber durch ein fröhlich plapperndes Kind entkräftet wurde, das schon mit anderthalb Jahren Drei-Wort-Sätze sprach und auch schwierige Worte sagen konnte, „Mayonnaise“ und „Eierbecher“ gehörten dazu.

Kurze Zeit später zogen wir um, in die Nähe der Großeltern und unser Sohn wurde geboren. Mit ihm machten wir von Geburt an die Zeichen. Mit vier Monaten verstand er, dass er Milch bekommt, wenn er das Zeichen dafür sah und hörte auf zu Weinen. Mit sieben Monaten zeigte er mir ganz klar das Zeichen, wenn er Milch trinken wollte. Die Großeltern sahen wir fast täglich. Babyzeichen gehörten also für sie zum Alltag dazu – genauso wie für uns. Immer mal wieder gab es ungläubiges Staunen über die Babyzeichen, die er verwendete. Der Opa konnte zum Beispiel einfach nicht glauben, dass sein Enkel wirklich zeigt, wenn er müde ist und ins Bett möchte. Der Kleine war damals in etwa 12 Monate alt, als er immer nach dem Mittagessen das Zeichen für „schlafen“ zeigte. Opa wollte das Zeichen gern nochmal sehen und stellte eine Schlafsituation nach: er legte sich aufs Sofa, schloss die Augen und tat so, als ob er schläft und machte Schnarchgeräusche. Anstatt zu zeigen, dass Opa schläft, zeigte unser Sohn jedoch auf seinen Opa, schaute etwas ungläubig und machte das Zeichen für „Schwein“. Eine tolle Situation, die uns allen gezeigt hatte, wie einfach es war, sich falsch zu verstehen. Zum Glück hatten wir die Babyzeichen!

Nun, fünf Jahre später, ist unsere kleinste Tochter mit acht Monaten im schönsten Babyzeichen Alter. In etwa einmal pro Woche kommt ein Zeichen dazu. Ihr erstes Zeichen war „Winke, winke“. Sie zeigte es mit sechs Monaten und die Großeltern sind darauf mehr als stolz, denn sie haben es fleißig geübt und gezeigt. Auch ihr zweites Zeichen - „Blume“ – ist dem Elan von Oma und Opa zu verdanken, die ständig mit ihr im Garten waren und an den Blumenkästen im Hof, um das Zeichen und natürlich die Blumen zu zeigen. Mittlerweile schauen sie gespannt auf die kleinen Kinderhände, wollen jeden Fingerzeig des Babys deuten und berichten stolz Freunden und Verwandten, was das Kind schon alles kann. „Ach, hätten wir das bei Euch doch auch schon gewusst, es hätte Vieles erleichtert. Aber es ist schön, dass wir das jetzt bei unseren Enkeln erleben dürfen, man braucht ja gar keinen Fernseher mehr!“ war neulich das Resümee der Oma.

 

Autorin: Dr. Camilla Leithold, Zwergensprache Kursleitung in Erfurt und Gotha seit 2016, Zwergensprache Regionalleiterin für Thüringen und Sachsen-Anhalt, Ernährungswissenschaftlerin, Dunstan Babysprache Kursleitung, AOK plus Partnerin,  Mama von drei Zwergensprache-Kindern