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Ausgezeichnet mit dem Siegel "Unternehmen der Zukunft"

Anziehen

Kindergebärden und Anziehstraßen im Kleinkind-Alltag

Kleinkinder wollen ihre Welt mitgestalten. Sie wollen teilhaben und sich ausdrücken und sie wollen „es selbst tun“!

Der Grundsatz „hilf mir es selbst zu tun“ aus der Montessori-Pädagogik beantwortet dieses Bedürfnis von Kindern nach Autonomie, nach dem Gefühl etwas selbst bewirkt zu haben. Kindergebärden können hier eine so passende Brücke schlagen, wo es Kindern noch an Worten fehlt.

Ein wunderbares Beispiel war ein Kind aus einer Kleinkindgruppe, die ich begleiten durfte. Sie stellte sich an das untere Ende einer Treppe, wo gerade das Treppengitter entfernt worden war und wiederholte zunächst ruhig und im Laufe der Zeit immer energischer das Wort „SEWAL“. Wir Erwachsenen wussten zunächst nicht, was es da auf sich hatte, erst als sie einen Fuß auf die erste Stufe stellte nach oben schaute und wieder fragend „sewal?“ sagte, fragten wir sie mit der Kindergebärde begleitet, ob sie „selber“ hinaufgehen möchte?

Die Erleichterung in ihrem Blick, als sie noch ein paar Mal „sewal“ begleitet mit der Gebärde von sich gab und die Bestätigung der Fachkraft folgte, dass sie selber hinaufgehen darf, zeigten die Bedeutung von Kindergebärden in der alltäglichen Kommunikation mit Kindern im Spracherwerbsprozess deutlich.

Aber das Autonomiebedürfnis macht sich auch in vielen anderen Alltagssituationen bemerkbar und eine wirklich praxistaugliche Idee, die ich hier gerne vorstellen möchte, sind sogenannte Anziehstraßen. Es ist so simpel wie hilfreich im Alltag mit Kleinkindern, die alles allein machen möchten: alles, was das Kind anziehen soll, wird der Reihe nach aufgelegt.

Gemeinsam mit den Zeichen für die Kleidungsstücke wird das Kind zunächst während des Anziehprozesses begleitet. Wiederholungen helfen den Kindern dabei sich gewisse Abläufe einzuprägen und mit der Zeit so manche Schritte selbstständig zu übernehmen. Diese Selbstwirksamkeitserfahrungen wirken sich wiederum positiv auf das Selbstvertrauen und die Problemlösefähigkeiten im langfristigen Blick aus.

 

Autorin: Bettina Dutzler, MSc, Psychologin, Eltern-, Baby- und Kleinkindberaterin mit dem Schwerpunkt: Babyschlaf, emotionale Entwicklung und bindungsorientierter Familienalltag, Zwergensprache und Dunstan Babysprache Kursleitung in Vöcklabruck und Kirchdorf an der Krems, Oberösterreich

Mit Liedern den Alltag vereinfachen - Bekannte Lieder einfach umdichten

Geht es dir auch oft so wie mir? Die täglichen Routinen mit deinem Kind sind manchmal sehr nervenraubend und stressig. Beim Anziehen, wickeln, essen, … oder auch Auto fahren und baden sind nicht immer toll!

Ich habe da eine Idee wie du in solche Situationen mehr Ruhe reinbringen kannst. Versuche es mal mit Singen. Lieder kennen wir genug, zu vielen Melodien fehlt uns vielleicht der richtige Text. Aber das macht nichts, denn wir dichten das Lied einfach um. Zum einen, dass es zur jeweiligen Situation passt und zum anderen, dass wir noch Babyzeichen dazu zeigen können. Hier ein Beispiel zum Anziehen:

Die Melodie von Bruder Jakob kennst du bestimmt. Nutze diese und setze die Kleidungsstücke ein, die du gerade anziehst und mache auch das entsprechende Zeichen dazu.

 

Bruder Jakob                          Erst die Jacke

Bruder Jakob                          erst die Jacke

schläfst du noch                    dann die Schuh`

schläfst du noch                    dann die Schuh`

hörst du nicht die Glocke     Mütze nicht vergessen

hörst du nicht die Glocke     Mütze nicht vergessen

ding dang dong                     fertigbist du

ding dang dong                     fertig bist du

 

Die fett gedruckten Wörter kannst du mit dem Handzeichen untermalen, dann ist die Aufmerksamkeit von deinem Kind höher, weil es neben dem Hören auch noch was zum Sehen gibt.

Probiere es aus. Es klappt bestimmt nicht immer, dass dein Kind dadurch kooperiert, aber oft verschaffst du dir damit etwas mehr Ruhe in schwierigen Situationen.

Wenn du noch mehr Inspirationen brauchst, wie man Lieder mit Zeichen ausschmückt, dann schau in unserer Babyzeichen-Zwergensprache App oder auf youtube nach und gib "Zwergensprache Lieder" ein oder noch besser: komm einfach in einen Eltern-Kind-Kurs. Dort gibt es ganz viel Babymusik mit den passenden Babygebärden!

Viel Spaß beim Ausprobieren!

 

Autorin: Simone Huber, Zwergensprache Kursleitung in Sasbachwalden, Mama von zwei Babyzeichenkindern, Baden-Württemberg